Was ist der Wert von Musik?

27.01.2026

Was ist der Wert von Musik?

Kauft ihr noch Musik? Oder nutzt ihr nur noch ein Streaming-Abo?

Direkter Kontakt zu Fans, kreative Nischen, Unabhängigkeit, ich bin ein großer Fan der Digitalisierung.

Eigentlich!

Anders als lange promotet, hat die Digitalisierung uns Artists nicht die Demokratisierung der Möglichkeiten gebracht – auch wenn es auf den ersten Blick so wirkt. 

Warum ist das so?

Über die Jahre hat sich ein Oligopol reichweitenstarker Plattformen gebildet, das zusammen mit großen Labels den Takt vorgibt – zulasten von Artists und Indies. 

Insbesondere in der Hip-Hop-Kultur waren die „bösen Majors“ früher ein beliebtes Feindbild. Heute haben wir es mit Majors auf Steroiden zu tun. Doch bleibt es in Sachen Kritik vergleichsweise ruhig.

Indiz für die tatsächlichen Machtverhältnisse? 

Sicher.

Die Dominanz der Tech-Plattformen ist konzentrierter als je zuvor – nahezu absolut. 

Und noch eines ist anders: Damals konnten sich in der Nische eigene Szene-Netzwerke an der Industrie vorbei etablieren. 

Heute sind wir hochgradig abhängig vom Goodwill der Algorithmen und es gibt nur noch wenige gallische Dörfer, die sich diesen Spielregeln widersetzen. 

Am Ende tummeln sich halt doch alle auf den üblichen Netzwerken und Plattforme, lassen sich dort berieseln, statt selbst nach spannender Musik zu graben. 

Auch die meisten Artists vertrauen darauf, dass sie dort ihr Publikum finden, wenn sie nur hart genug

pushen und die aktuelle  Content-Strategie der jeweiligen Plattform bespielen.

Klar, in der Theorie ermöglichen die Plattformen, dass man gehört wird und sich einem breiteren Publikum 

vorstellen kann.. 

Aber der Markt ist übersättigt. Anstelle von A&R’s und Musikredakteuren sind Algorithmen zu den neuen Gatekeepern der Industrie 

geworden. 

Gab es in der „alten Musikwelt“ immer wieder mal Tastemaker, die durch ihren individuellen Stil, ihre Überzeugung und ihre Selection Fans auf Geheimtipps aufmerksam machten, ist die neue Welt auch nach außen rein zahlengetrieben. 

In der Praxis fördern Algorithmen Musik, welche die durchschnittlichen Hörgewohnheiten bedient. 

Unangepasste Nischenmusik abseits der üblichen Schablonen fällt durchs Raster und bekommt keine Reichweite. 

Trotzdem strugglen wir und versuchen irgendwie in diesem System unsere Nische zu finden.

Warum tun wir uns das an?

Ohne DIY und Gegenkultur hätte 

Hip-Hop niemals den Siegeszug rund um die Welt angetreten. Unsere DNA: „Ihr drängt uns an den Rand! Egal, wir bauen uns unser eigenes Ding auf.“

Verblassende Erinnerungen an die Golden Era in nostalgischer Verklärung…

Heute spielen wir alle nur noch nach den Regeln der Corporate-Welt, Artists, Fans und das ganze Business-Netzwerk dahinter. 

Artists werden zu Content-Creators herabgestuft oder degradieren sich selbst zu willigen Influencern – je nach Sichtweise. 

Neben dem Druck seitens der Plattformen, permanent Output zu erzeugen, um sichtbar zu bleiben, hat die Streaming-Welt einen weiteren Nachteil. 

Die Möglichkeit, ohne größeres, finanzielles Risiko schnell Musik zu releasen, führt dazu, dass zu viel Musik erscheint. 

Musik, die häufig austauschbar klingt, oft auch einfach nur belanglos ist. 

Dazu kommt: 

Als Künstler bist du gezwungen in schneller Frequenz nachzulegen, um den Algorithmus zu hacken und so überhaupt Streaming-Revenue zu generieren. 

Und angesichts der nicht zu bewältigenden Release-Flut nimmt das Interesse beim Publikum stetig ab – es sei denn, du hast bereits eine 

signifikante Fanbase.

Ein Teufelskreis aus Abhängigkeiten, der immer weiter abwärts führt, bis alles aus dem letzten Loch pfeift: 

Überforderte Hörer, ausgelaugte Artists, insolvente Labels.

Welches Release aus der Streaming-Ära packt euch auch Jahre später noch, weil ihr es über Monate auf Repeat gehört habt? 

Vermutlich nicht mehr als eine Handvoll, oder?

Natürlich gibt es die paar Erfolgsgeschichten, die medial immer einfrig bemüht werden. 

Aber selbst diese haben nur eine geringe Halbwertszeit, weil bereits eine Masse weiterer Neuerscheinungen in der Warteschlange parkt.

Auch ich selbst als Fan kann mich davon nicht frei machen.

Dadurch dass Musik zu einem stets verfügbaren Snack geworden ist, verliert sie kontinuierlich an Wert. 

Und da Musik meist nur noch oberflächlich gehört wird, wird es für Artists immer schwerer, eine nachhaltige Audience aufzubauen. 

Zumal ja auch noch die alten Majors mitmischen und ihre Interessen durchsetzen.

Und selbst wenn einer von 1000 Rappern, die bereit sind, die Charts zu übernehmen, doch mal einen Glückstreffer landet: Herzlichen Glückwunsch zum Jackpot!

So oder so: Die Bezahlung steht in keinem Verhältnis zum kreativen Kraftakt und finanziellen Aufwand hinter einer Produktion. 

Selbst große Artists kotzen sich in Interviews regelmäßig darüber aus, wie wenig aus den Streaming-Einnahmen am Ende bei ihnen ankommt. 

Von kleinen Artists müssen wir gar nicht erst anfangen. 

Bei Spotify geht seit 2024 unter 1000 Streams im Jahr – pro Track übrigens – monetär gar nichts mehr. 

Für Artists ist es wie Arbeiten ohne Lohn. Vielen Hörern scheint es egal zu sein. Sie zahlen ja Geld für ihr Abo. 

Nur landet es halt nicht da, wo es hingehört.

Egal wie man es dreht und wendet. Algorithmen und Strategien der Plattformen arbeiten Hand in Hand gegen uns. Und das Publikum ist nicht sensibilisiert für das Geschäft hinter den Kulissen. 

Doch welche Schlüsse ziehen wir daraus?

Vereinzelt blitzt sanfte Kritik auf. Große Konsequenzen zieht dennoch kaum jemand. 

Und so spielen Artists brav weiter das Spiel der Plattformen und Konzerne mit, produzieren nach Lehrbuch Releases und Content am Fließband ohne aufzumucken. 

Nicht unbedingt, weil sie es abfeiern. Viele haben keine andere Wahl, müssen in diesem Hamsterrad weiter rennen, um relevant zu bleiben, um Rechnungen zu bezahlen, um ihren Traum vom Musikerdasein nicht aufzugeben.

Geringe Einnahmen sind schließlich besser als keine Einnahmen.

Doch das ist zu kurz gedacht: je länger wir uns abhängig von Spotify & Co machen und je mehr Hörer sich an die permanente Verfügbarkeit von Musik gewöhnen und sie somit zu einem Gebrauchsgegenstand reduzieren, desto schwächer wird unsere Position langfristig.

Ich verdiene mein Geld über andere Wege. Das gibt mir den Spielraum, mich bei meiner Kunst nicht verbiegen zu müssen. 

Auch wenn’s dem Ego nicht gut tut: Es kann mir im Grunde egal sein, ob auf meiner monatlichen Streaming-Abrechnung 20 Cent oder 20 € stehen. 

Aber gerade, weil Musik für mich eine Herzensangelegenheit ist, nehme ich das Gebaren der Streaming-Plattformen und sozialen Netzwerke sehr persönlich.

Klar, Streaming wird bleiben, 

genauso wie die sozialen Netzwerke. Doch so wie es jetzt ist, kann es nicht weiter gehen. Nichts zu tun ist keine Option mehr.

Wir müssen wieder hin zu einer Kultur, in der Musik nicht nur als Snack oder austauschbares Hintergrundrauschen begriffen wird. 

Daneben muss es doch Wege

geben, dass das Geld dort bleibt, wo die Leistung erbracht wird. 

Also bei Artists, bei den Producern, bei den Songwritern, bei den Engineers, …

Wir müssen das System verändern, da es so keine Zukunft hat.

Ich denke momentan oft darüber nach, welche Schritte ich aus dem Streaming-Dilemma für mich selbst ableite. 

Ich werde immer Musik machen, verliere aber die Lust an dem ganzen Drumherum und dem Fischen nach Aufmerksamkeit für 300 Plays. 

Spotify canceln und auf Reichweite verzichten? Die anderen Portale direkt mit? Dabei bleiben und versuchen, das System von innen heraus zu verändern? Nur noch Vinyl und Tapes?

Gute Antworten habe ich bislang noch nicht gefunden.

Was ich weiß: Wir müssen eine Diskussion darüber anstoßen, wie Musik wieder eine höhere Wertschätzung bekommt – egal ob monetär oder einfach durch Respekt.

Wie lässt sich Musik von einem Wegwerfartikel wieder zu einem nachhaltigen Kulturgut machen? 

Mehr und mehr frage ich mich, welche Hebel wir als Artists und Fans haben, um diese Abwärtsspirale zu durchbrechen. 

Wenn es so weiter geht, so fürchte ich, hören wir in 10 Jahren alle nur noch KI-generierte Songs mit Stimmen verstorbener Artists auf Basis der aufgekauften Klassiker-Kataloge von Universal, Sony und Warner. 

Sicher, das wäre das Worst-Case-Szenario! Meiner Meinung nach ist es aber auch nicht mehr völlig utopisch.

Eines hat sich gezeigt. Auf die Musikindustrie ist kein Verlass! Sie ist Teil des Problems. 

Damals wie heute ging es in erster Linie um Profit – und ohne fragile Künstleregos und Schreibblockaden als Risikofaktoren lässt es sich für Konzerne viel leichter und sicherer kalkulieren. 

Wir müssen daher eigene Netzwerke bilden. Es ist Zeit kreativ zu werden und das Spiel zu unserem eigenen zu machen.

Lasst uns diskutieren, wie wir das schaffen.

Wie supportet ihr Künstler und welche Ideen oder gute Beispiele habt ihr für eine nachhaltige Musikkultur?

Es ist Zeit kreativ zu werden und das Spiel zu unserem 

eigenen zu machen.

Peace, 

Rask

P.S.: Teilt diese Gedanken gerne in euren Netzwerken!